Gespräch mit Dr. H., re: meine Schwester
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Es gab eine Zeit, als ich mir fast jeden Abend gewünscht habe, meine Schwester würde entführt. Nicht, dass ich sie nicht leiden mochte oder ihr etwas Böses gewünscht hätte. Im Gegenteil, ich war verrückt nach ihr und hätte sie gerne gerettet, um es allen zu zeigen. Die Polizei würde zu meinen Eltern kommen und ihre Ratlosigkeit eingestehen. „Sie ist einer ganz üblen Bande in die Finger gefallen, die bereits für die Entführung mehrerer Staatsoberhäupter verantwortlich zeichnet. Sie agiert im Grenzgebiet zwischen Anatolien und der Elfenbeinküste (ich mochte diese beiden exotischen Wörter). Wir sind mit unserem Latein am Ende. Was uns bleibt ist Hoffen und Beten.“ Mich würde man völlig ignorieren, was sollte ich auch schon ausrichten gegen diese hartgesottenen Verbrecher! Doch jetzt war meine Stunde gekommen. Im Herzen so kalt wie der Stahl des Krummdolches, den mein Großvater einem molukkischen Nahkampfexperten an der Somme in letzter Sekunde aus der todbringend niedersausenden Hand entwunden hatte, und der jetzt an der nackten Haut meines Oberschenkels befestigt war, kletterte ich lautlos an der Dachrinne hinab und verschwand ohne auch nur das Knacken eines Zweiges durch den Garten, hinter dessen Mauer ich mich für einen möglichen Beobachter in Luft auflöste.
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