Auf dem Zahnarztstuhl liegend, die Fingernägel schmerzhaft in die Handballen gegraben, alle Muskeln bis zur Belastbarkeitsgrenze angespannt, der Magen zum Knoten verkrampft, Ansammlungen kalten Schweißes in der konkaven Hohlrückenpartie, war es mir nur möglich, den natürlichen Fluchtreflex zu unterdrücken, indem ich ohne Unterlass die Heilige Apollonia mit Stoßgebeten drangsalierte und um allfälligen Beistand anbettelte. Nur sie, sie allein konnte wissen, welche Qualen ich gerade durchlitt, hat man ihr doch anno 249 in Alexandria sämtliche Zähne ausgerissen, bevor sie sich freiwillig in einen Scheiterhaufen stürzte. Vor diesem Schicksal hat mich nur die spartanische Ausstattung der Arztpraxis bewahrt, die den Patienten mangels Scheiterhaufen diesen heroischen Ausweg verbaut. Die Zahnärztin, die nur ihre eiskalten, mitleidslosen Augen über einem Gaze-Bandana sehen ließ, ein eindeutiger Verstoß gegen das Vermummungsgesetz und eine hinterhältige Vorsichtsmaßnahme, damit ich sie später nicht wiedererkennen und Rache für die zugefügte Pein nehmen könnte, wollte ich nicht anflehen. Sie sah nicht aus, als ob sie Pardon geben würde. „Hinter der fremden Backe schmerzt kein Zahn“, ein russisches Sprichwort, das in Flammenschrift auf ihrer Stirn zu lesen war.
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